Im Duft dieses Käses liegt etwas von Sommergarten, Kräuterbeet und frischer Milch. Schon beim Anschneiden öffnet sich ein Bild aus cremigem Teig, würziger Rinde und grünem, lebendigem Aroma.
Schönauer Liebling Gartenkräuter & Kresse ist ein halbfester Schnittkäse mit cremig-weichem Teig und klarer, freundlicher Würze. Die natürliche Rotschmiere bringt Tiefe und leichte Herbe, während Gartenkräuter, Kresse, Rucola und getrocknete Tomaten die Oberfläche in ein duftiges, fast mediterranes Kleid hüllen. Im Mund zeigt er eine geschmeidige Textur, die weder zu weich noch zu fest wirkt. Aromatisch verbindet er milchige Wärme mit grüner Frische, sanfter Würze und einem Hauch vegetabiler Pikanz. Die Kräuter wirken nicht dekorativ, sondern prägen den gesamten Auftritt bis in den Nachhall. Das Finish ist sauber, leicht salzig und angenehm lang.
Sehr gut passt ein trockener Silvaner, weil seine ruhige Frucht und feine Kräuterigkeit die grüne Würze des Käses aufnehmen, ohne sie zu überdecken. Auch ein helles Kellerbier funktioniert, da Malz und milde Bittere die Rotschmiere erden. Wer alkoholfrei kombinieren möchte, greift zu einem kühlen Kräutertee oder zu naturtrübem Apfelsaftschorle in trockener Mischung. Zu kräftige Rotweine wirken hier meist stumpf und lassen die Kresse schärfer erscheinen.
Am schönsten wirkt der Käse auf frischem Bauernbrot oder einem milden Sauerteigbrot, das seine cremige Mitte trägt, ohne die Kräuter zu erschlagen. Fein geschnittene Radieschen, Gurke und junge Blattsalate passen hervorragend, weil sie die grüne Richtung verlängern. Im regionalen Rahmen funktionieren auch kleine Pellkartoffeln mit Butter und Schnittlauch, denn die Wärme der Kartoffel macht den Teig besonders geschmeidig. Weniger geeignet sind süße Chutneys, da sie die Kräuter schnell in eine marmeladige Ecke ziehen.
Ein sehr stimmiges Gericht ist ein lauwarmer Kartoffel-Kräuter-Salat mit Scheiben dieses Käses. Kleine festkochende Kartoffeln kochen, in Scheiben schneiden und mit einer Vinaigrette aus Apfelessig, Rapsöl, wenig Senf und Schalotten anmachen. Den Käse erst kurz vor dem Servieren in Stücke auflegen, damit er durch die Restwärme leicht anschmilzt. Mit frischer Kresse und ein paar getrockneten Tomatenstreifen vollenden. Das ergibt eine einfache, aber elegante Brotzeitplatte mit Allgäuer Seele.
50 % Fett i.Tr. ca. 4,0 kg Laibgewicht Reifung 6–8 Wochen 4 Affinage-Zutaten an der Oberfläche halbfester Schnittkäse aus Deutschland
Die Geschichte von Schönauer Liebling Gartenkräuter & Kresse steht nicht für eine jahrhundertealte bäuerliche Ursprungslegende, sondern für eine moderne Allgäuer Affinagekultur, die an bestehende Käsetraditionen anknüpft und sie neu interpretiert. Im Hintergrund dieser Linie steht die Handels- und Reifekompetenz von Carl Friedrich Scheer, einem Unternehmen, das bereits 1893 in Stuttgart als Spezialist für Käsefeinkost gegründet wurde. Aus dieser langen Beschäftigung mit europäischen Käsen entstand später der Gedanke, Käse nicht nur zu handeln, sondern ihn auch gezielt im eigenen Stil zu veredeln und mit einer klaren Handschrift zu versehen. Schönauer Produkte stehen deshalb für eine Form von Käsekultur, bei der Reifung, Pflege der Rinde und die spätere geschmackliche Ausarbeitung fast ebenso wichtig sind wie die reine Herstellung des Käselaibs selbst. Der Zusatz Gartenkräuter & Kresse zeigt diese Haltung besonders deutlich, weil hier ein bereits gereifter Käse nicht bloß aromatisiert, sondern über seine Oberfläche in eine eigene sensorische Richtung geführt wird. Der Käse wird als halbfester Schnittkäse aus pasteurisierter Kuhmilch geführt und entwickelt seine Identität während einer Reifephase von 6 bis 8 Wochen. Schon diese vergleichsweise kompakte Reifezeit zeigt, dass das Ziel nicht in extremer Schärfe oder massiver Dichte liegt, sondern in Balance: genug Zeit für die Ausbildung einer sauberen Rotschmiere, einer cremigen Textur und eines tragfähigen Aromakörpers, der später die Kräuter aufnehmen kann, ohne von ihnen überdeckt zu werden. Typisch ist die natürliche, rotkulturell geprägte Rinde, die den Käse nicht rustikal-schroff, sondern lebendig und duftig wirken lässt. Erst am Ende der Reifung erhält er seine Ummantelung mit Gartenkräutern, Kresse, Rucola und getrockneten Tomaten. Diese Zusammenstellung verrät viel über das Konzept. Kresse liefert pfeffrige Frische, Rucola bringt grüne Bitterkeit, klassische Gartenkräuter sorgen für kräuterige Rundung, und die Tomate setzt einen warmen, leicht süßlich-fruchtigen Akzent. So entsteht kein bloßer Gewürzkäse, sondern ein Affinageprodukt, bei dem die Oberfläche gezielt als aromatische Bühne eingesetzt wird. Seine Verortung im Allgäu ist deshalb stimmig, weil gerade dort eine starke Tradition aus Milchqualität, Käsekellern, gepflegter Rotschmiere und marktfähiger Käseveredelung zusammenkommt. Das Allgäu hat nicht nur große geschützte Hart- und Schnittkäse hervorgebracht, sondern auch jene handwerklich und handelsnah entwickelte Käsekultur, in der Spezialitäten für Theke, Genießer und Feinkosthandel entstanden. Schönauer Liebling Gartenkräuter & Kresse gehört genau in diese Linie: zugänglich genug für ein breiteres Publikum, aber präzise genug gebaut, um auf einer anspruchsvollen Käseplatte nicht unterzugehen. Heute ist der Käse vor allem dort interessant, wo Kunden nach einem aromatischen, doch nicht überfordernden Kräuterkäse suchen. Er verbindet die Wärme eines gereiften Allgäuer Schnittkäses mit einer frischen, fast gärtnerischen Duftigkeit und zeigt damit, wie stark moderne Käsekultur von der Kunst des Veredelns lebt.
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