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Pecorino di Civita di Bagnoregio

ItalienLatiumSchafmilchSchaf
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Zwischen Tuffstein, Wind und den schmalen Wegen von Civita di Bagnoregio wirkt dieser Pecorino wie ein Stück Landschaft. Seine Reife bringt Wärme, Schafmilch und eine feine salzige Tiefe zusammen.

Der Sommelier empfiehlt

Pecorino di Civita di Bagnoregio zeigt sich am Gaumen mit kompakter, leicht körniger Paste und fester, sauberer Rinde. In der Nase wirken warme Schafmilch, Heu, geröstete Nuss und ein Hauch Keller, bevor sich am Gaumen salzige, nussige und leicht pikante Eindrücke entfalten. Der Käse besitzt eine handwerkliche Direktheit, die nicht glattgebügelt wirkt, sondern kleine Nuancen von Weide, Keller und Milch bewahrt. Je nach Reifegrad kann er saftiger, bröckeliger oder kompakter erscheinen. Besonders reizvoll ist der Wechsel zwischen milchiger Süße und würziger Tiefe. Im Finish bleibt er lang, trocken und angenehm würzig, ohne die Herkunft zu überdecken.

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Alles über diesen Käse

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Getränkeempfehlung

Ein Grechetto aus Latium greift die nussige Struktur auf und hält die Salzigkeit frisch. Ein junger Cesanese passt, wenn der Käse länger gereift ist, weil seine rote Frucht die Würze auffängt. Als Bier funktioniert ein helles, trockenes Saison mit feiner Hefewürze. Alkoholfrei harmoniert ein gekühlter Birnen- oder Apfelmost mit milder Säure.

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Beilagen & Speisen

Sehr gut passen Sauerteigbrot, Birnen, milder Kastanienhonig und geröstete Haselnüsse. Regional stimmig sind Fave, Olivenöl aus der Tuscia und einfache Crostini. Gereift kann er über Pasta mit schwarzem Pfeffer gerieben werden. Zu salzarmen Gemüsegerichten bringt er Tiefe, ohne sie zu erschlagen.

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Rezeptidee

Für eine einfache Bruschetta geröstetes Landbrot mit wenig Olivenöl beträufeln und mit dünnen Pecorino-Spänen belegen. Dazu kommen Birnenscheiben, etwas Kastanienhonig und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer. Das Brot nur kurz erwärmen, damit der Käse duftet, aber nicht vollständig schmilzt. Mit Rucola oder jungen Wildkräutern servieren.

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Wissenswertes

["Regionale Einordnung: Alta Tuscia, Latium", "Typische Form: ca. 2,8–3,0 kg", "Bekannte Reifeangabe: 150 Tage", "Milchbasis: 100 % Schafmilch", "EU-Schutzstatus: nicht als AOP/PGI/TSG gesichert"]

Geschichte & Wissenswertes

Pecorino di Civita di Bagnoregio gehört zu jener stillen Schicht der italienischen Käsekultur, die weniger von großen Marken als von Landschaft, Weidewegen und Werkstattwissen geprägt ist. In Latium entstand dieser Käse nicht als Luxusprodukt, sondern als praktische Antwort auf saisonale Milchmengen, kurze Wege und die Notwendigkeit, Milch haltbar zu machen. Der moderne Bezugspunkt ist der gereifte Schafkäse Antico di Civita, der als Hommage an Civita di Bagnoregio hergestellt wird. Seine Geschichte ist deshalb eng mit der Transhumanz, kleinen Hofkäsereien und den Märkten der umliegenden Orte verbunden. Schriftliche Nachweise sind bei solchen Spezialitäten oft jünger als die Praxis selbst: Viele Rezepte wurden bis weit ins 20. Jahrhundert mündlich weitergegeben, während kommunale Produktlisten, PAT-Verzeichnisse, Fachatlanten und heutige Erzeugerseiten erst später eine präzisere Beschreibung lieferten. Gerade das macht den Reiz aus, denn der Käse steht nicht für eine standardisierte Fabriklinie, sondern für ein regionales Gedächtnis, das über Milch, Gerätschaften und Reifekeller erhalten blieb.

Das geografische Gebiet lässt sich am besten über die Alta Tuscia rund um Bagnoregio und Civita di Bagnoregio fassen. Dort bestimmen Höhenlage, Trockenheit, Kalk- oder Tuffböden, Macchia, Bergwiesen und die Nähe alter Viehtriften das Rohmaterial. Die Tufflandschaft der Tuscia, mit Hochebenen, Erosionsrinnen und kleinen Weiden, prägt die Wahrnehmung dieses Käses stärker als eine einzelne große Molkereitradition. Der Käse war traditionell Teil einer Kreislaufwirtschaft: Molke wurde weiter genutzt, Formen wurden auf Holz, Schilfmatten, Körben oder einfachen Regalen entwässert, und die Reifung fand in kühlen Räumen statt, die nicht geplant, sondern aus der Architektur des Dorfes heraus entstanden. Für die Menschen vor Ort war er Vorrat, Tauschware und Alltagsnahrung zugleich. Im Jahreslauf spielte er besonders dann eine Rolle, wenn frische Milch reichlicher vorhanden war, etwa nach dem Frühjahrsaustrieb oder während der Bergweide. In dieser Bindung an Jahreszeit und Futter liegt ein wesentlicher Teil seines sensorischen Profils.

Die Herstellung folgt dem klassischen italienischen Handwerk, wird aber je nach Betrieb leicht angepasst. Verarbeitet wird Schafmilch; in handwerklichen Varianten wird die Milch häufig möglichst frisch eingesetzt, teils roh, teils thermisiert oder pasteurisiert, wenn die Vermarktung es verlangt. Üblich ist eine Erwärmung in Kupfer- oder Stahlkesseln auf etwa 36 bis 39 °C, bei manchen halbfesten Pecorino-Varianten auch eine kurze Nachwärmung des Bruchs auf 42 bis 45 °C. Danach wird tierisches Lab, seltener betriebseigener oder pflanzlicher Gerinnungshelfer, zugegeben. Die Gerinnung dauert meist 20 bis 40 Minuten. Anschließend wird die Gallerte je nach gewünschter Textur haselnuss-, maiskorn- oder walnussgroß geschnitten. Ein kleiner, feuchter Bruch führt zu dichterer, elastischer Paste; ein feinerer Bruch ergibt eine kompaktere und später körnigere Struktur. Bei gereiften Formen wird der Bruch kräftiger bearbeitet, damit der Teig nach der Entwässerung eine geschlossene, schnittfeste Struktur entwickelt.

Nach dem Formen wird die Masse abtropfen gelassen, gewendet und gesalzen. Bei frischen oder weichen Formen geschieht dies oft nur sehr zurückhaltend, bei Hartkäsen entweder trocken oder in Salzlake mit ungefähr 16 bis 20 Prozent Salzgehalt. Die Reifezeit liegt bei rund 150 Tagen bei typischen halbharten Pecorino-Formen; Temperatur und Feuchtigkeit bewegen sich in handwerklichen Reiferäumen häufig um 8 bis 14 °C und 75 bis 90 Prozent relative Luftfeuchte. Während dieser Phase verändert sich die Paste deutlich: Milchsüße weicht nussigen, tierischen, grasigen oder pikanten Noten; Feuchtigkeit wandert nach außen; die Rinde wird fester und schützt den Teig. Bei einigen Varianten werden die Formen mit Öl, Essig, Ruß, Kräutern, Farn oder Tüchern behandelt. Solche Eingriffe sind keine Dekoration, sondern historische Techniken zur Kontrolle von Austrocknung, Schimmel und Aromabildung.

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurden diese Käse vor allem lokal verkauft. Mit der Modernisierung der Molkereien nach 1950 verschwanden viele Kleinstproduktionen, weil Hygieneauflagen, Kühlketten und Großhandel einheitlichere Produkte bevorzugten. Gleichzeitig blieb in abgelegenen Tälern, Bergorten und Familienbetrieben ein erstaunlich stabiles Wissen erhalten. Seit den 1990er-Jahren wuchs das Interesse an regionalen Spezialitäten wieder, getragen von Agriturismi, Slow-Food-Initiativen, regionalen Produktregistern und einer neuen Wertschätzung für Milch von Weidetieren. Erzeuger der Alta Tuscia nutzen den Namen heute als Herkunftserzählung für einen Pecorino mit regionalem Charakter. Heute ist Pecorino di Civita di Bagnoregio deshalb weniger ein Massenkäse als ein Identitätsprodukt: Er erzählt vom Verhältnis zwischen Tierhaltung, Landschaftspflege und kulinarischer Erinnerung. Für Käseliebhaber ist genau diese Begrenztheit wertvoll, denn sie macht jede Charge etwas anders.

Gesicherte Produktangaben nennen Laibe von etwa 2,8 bis 3,0 Kilogramm und einen glatten, geraden Rand mit rund 20 Zentimetern Durchmesser. In der Gegenwart sollte man ihn nicht allein nach industriellen Maßstäben bewerten. Ein kleiner Laib kann unregelmäßiger aussehen, eine Rinde kann trockener sein, eine Paste kann je nach Saison heller, gelber, mürber oder elastischer wirken. Solche Unterschiede sind bei regionalen Käsen keine Schwäche, sondern ein Hinweis auf lebendige Herstellung. Wichtig ist eine saubere, klare Aromatik: frische Milch, Kräuter, Nuss, Stallwärme, Mineralität oder dezente Säure sollen erkennbar bleiben, ohne muffig zu werden. Wird Pecorino di Civita di Bagnoregio am Tisch richtig temperiert, öffnet er sein Profil deutlich: frische Varianten wirken milchig und saftig, gereifte Versionen konzentriert, salziger und länger im Nachhall. So bleibt er ein Käse, der nicht laut auftreten muss, um Herkunft zu zeigen.

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