In den warmen Huegeln von Mersin entsteht seit Jahrhunderten ein besonderer Kaese, der die Herzen der tuerken erobert hat. Hellim ist mehr als nur ein Lebensmittel – es ist ein Stueck lebendiger Tradition, das in salziger Sole reift und beim Braten sein charakteristisches Quietschen von sich gibt. Mit seiner festen Textur und dem unverwechselbaren Geschmack verkörpert dieser Kaese die authentische Kueche der Tuerkei.
Hellim praesentiert sich als weisser, halbfester Kaese mit einer charakteristischen geschichteten Textur, die an Mozzarella erinnert. Beim Kauen entsteht das typische Quietschen zwischen den Zaehnen, das diesem Kaese seinen besonderen Charme verleiht. Die Textur ist fest und gummiartig, dennoch cremig im Mundgefuehl. Geschmacklich dominiert eine angenehme Salzigkeit, die von milden, leicht nussigen Noten aus der Ziegen- und Schafmilch begleitet wird. Der Abgang ist rein und lang anhaltend, mit einer feinen mineralischen Note, die an die salzige Seeluft der türkschen Mittelmeerküste erinnert. Besonders beim Braten entwickelt Hellim eine goldene Kruste bei weichem Kern.
Zu Hellim harmoniert ein fruchtiger tuerkscher Rosé aus der Region Aegaeis besonders gut, da seine frische Säure die salzige Intensitaet des Kaeses perfekt ausbalanciert. Ein handwerklich gebrautes Efes-Bier oder ein milder Raki mit Wasser verdünnt ergaenzen die mediterrane Aromenvielfalt des Hellim. Bei heisseren Tagen bietet sich auch ein kuehlender Ayran oder ein erfrischender Salbeitee an.
Hellim wird traditionell mit frischer Wassermelone serviert – diese klassische Kombination aus salzig und süß ist ein Sommer-Highlight der türken Kueche. Warmes Fladenbrot, frische Tomaten und Gurken bilden die perfekte Basis für eine authentische tuerkshe Brotzeit. Olivenöl, Petersilie und rote Paprikaflocken verstärken die mediterran Charakteristik des Kaeses und schaffen eine harmonische Geschmacksbrücke.
Für gebratenen Hellim das Kaesestück in 1 cm dicke Scheiben schneiden und mit Olivenöl bestreichen. In einer heissen Pfanne ohne Öl 3-4 Minuten von jeder Seite goldbraun braten, bis Grillstreifen entstehen. Mit frisch gehackter Minze, einem Spritzer Zitronensaft und rotem Paprikapulver würzen. Als Vorspeise mit warmem Pide-Brot und Tomatenscheiben servieren – so entsteht ein authentisches tuerksches Geschmackserlebnis, das sowohl warm als auch kalt genossen werden kann.
Traditionell 3-4 Tage Reifezeit nach der Herstellung Kann bis zu 12 Monate in Salzlake gelagert werden Schmilzt erst bei Temperaturen über 200°C Wird hauptsaechlich in der Mittelmeerregion der Türkei produziert Enthält etwa 25% Fett im Gesamtgewicht Gehört zu den 11 wichtigsten traditionellen Kaesesorten der Tuerkei
Die Geschichte des Hellim reicht weit in die byzantinische Zeit zurück, als die Kunst der Kaesesherstellung im oestlichen Mittelmeerraum ihre Bluete erlebte. Der Name des Kaeses leitet sich vom historischen Wort "ḥlm" ab, das bereits in aegyptischen Manuscripten aus dem 2. Jahrhundert nachweisbar ist, wobei der tuerkische Begriff "Hellim" direkt von dieser Quelle abstammt. Hellim gilt als ein ursprünglich türkercher Kaese, der sich über die Jahrhunderte als fester Bestandteil der anatolischen Kaesetradition etablierte.
Die Herstellung von Hellim in der Region Mersin folgt jahrhundertealten Methoden, die von Generation zu Generation übertragen wurden. Bei der traditionellen Produktion wird die Milch auf exakt 32°C erhitzt, mit Lab versetzt und langsam über 2 Minuten gerührt, bevor sie 45 Minuten lang ruht. Nach dem Bruch der Gallerte wird der Bruch gepresst und anschliessend 2 Stunden unter 23 Kilogramm Druck geformt. Das Besondere am Hellim ist der anschliessende Kochprozess: Die gesammelte Molke wird auf 57°C erhitzt und mit zusaetzlicher Vollmilch angereichert, wodurch der charakteristische Geschmack und die einzigartige Textur entstehen.
Hellim zaehlt zu den wichtigsten traditionellen Salzlakekaesen der Tuerkei, die in erheblichen Mengen produziert werden. Die Mittelmeerregion um Mersin bietet ideale klimatische Bedingungen für die Kaesesherstellung: die warmen, trockenen Sommer und milden Winter schaffen ein perfektes Umfeld für die Reifung in Salzlake. Die Entstehung dieser Kaesetradition ist eng mit der Viehzucht in der Region verbunden, wo die kraeuerreichen Weiden, die aehnliche Vegetation und die auf Tierhaltung basierende Lebensweise unter rauen klimatischen Bedingungen wichtige Faktoren waren.
Der Grossteil der lokalen Kaesesorten wird noch immer auf Farmen oder von nomadischen Voelkern hergestellt, wodurch sie oft so frisch sind, dass sie schlecht reisen und nur wenige laendliche Kaesehersteller mit den umfangreichen europaeischen Lebensmittelvorschriften vertraut sind. Diese traditionelle Herstellungsweise verleiht dem Hellim aus Mersin seine besondere Authentizitaet und seinen unverwechselbaren Charakter.
Obwohl eine grosse Anzahl traditioneller Salzlakekaese-Sorten in der Tuerkei produziert wird, werden nur sehr wenige auf industrieller Ebene hergestellt. Hellim hat jedoch in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen und wird heute in erheblich gesteigerten Mengen lokal produziert und kann in der ganzen Tuerkei gefunden werden. Die moderne Produktion hat es ermoeglicht, diesen traditionellen Kaese auch über die regionalen Grenzen hinaus bekannt zu machen, ohne dabei die charakteristischen Eigenschaften zu verlieren, die ihn seit Jahrhunderten auszeichnen.
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