Der Rote Casanova ist weich, verführerisch und sahnig gebaut. Schon seine rotgeschmierte Rinde kündigt an, dass hier mehr Fülle als Strenge gewollt ist.
Der Teig ist üppig, cremig und sehr geschmeidig. Im Aroma treffen Rahm, Butter und feine Rotschmierwürze aufeinander. Am Gaumen wirkt der Käse voll und rund, fast schwelgerisch, ohne klebrig zu werden. Die hohe Fettstufe schenkt ihm dichten Schmelz. Dazu kommen milde Brühe, ein Hauch Joghurt und junge Kellernoten. Die Rinde bleibt zurückhaltend, stützt aber den Körper. Das Finish ist weich, milchig und lang.
Ein cremiger Chardonnay, ein trockener Crémant oder ein mildes blondes Bier passen hervorragend. Auch ein Pinot Gris mit wenig Holz funktioniert. Alkoholfrei empfiehlt sich Traubensaftschorle in trockener Mischung.
Sehr gut mit Brioche, hellem Brot oder knusprigem Baguette. Auch Birne, helle Trauben und Haselnüsse harmonieren wunderbar. Für eine Käseplatte sollte man ihm eher neutrale als sehr saure Begleiter geben.
Als warmer Ofentoast mit Birne ist er ausgezeichnet. Brot rösten, Käse dick auflegen und nur so lange backen, bis er zu fließen beginnt. Danach Birne und wenige geröstete Haselnüsse daraufgeben. So bleibt die sahnige Art des Käses im Zentrum.
Mindestens 4 Wochen gereift Laibgewicht ca. 2,7 kg 70 % Fett i. Tr. laut Handelsangabe Hergestellt aus Heumilch und Rahm Schaukäserei in Betrieb seit 2003
Die Geschichte dieser Sorte führt in die Bio-Schaukäserei Wiggensbach im Oberallgäu. Der Betrieb verarbeitet seit 2003 frische Bio-Heumilch und hat sich mit rund 25 Käsesorten zu einer gut sichtbaren Adresse des modernen Allgäuer Käsehandwerks entwickelt. Das Unternehmen arbeitet mit kleinen Bauernhöfen aus dem Umland und reift seine Laibe im Naturziegelgewölbekeller, einer Umgebung, die für gleichmäßige Luftfeuchte und eine ruhige Entwicklung der Rinde wichtig ist. Gerade diese Kombination aus transparenter Erzeugung, Besucherorientierung und klassischer Kellerpflege macht Wiggensbach zu einem Beispiel dafür, wie sich Allgäuer Molkereikultur im 21. Jahrhundert erneuert hat. Die Grundlage ist Heumilch aus Grünlandwirtschaft, also Milch aus einer Fütterung mit Gräsern, Kräutern und Heu statt gärender Silage. Sie bringt eine saubere, süßliche und kräuternahe Aromatik mit, die sich besonders gut für Schnittkäse und halbfeste Sorten eignet. Bei dieser Sorte wird die Milch gekäst, der Laib gepresst und dann je nach Stil vier bis sechs Wochen oder länger gepflegt. Die veröffentlichten Produktinformationen nennen je nach Sorte Reifezeiten von mindestens vier Wochen bis zu sechs Wochen, dazu F.i.Tr.-Stufen zwischen 25 und 55 Prozent und Laibgewichte von rund 2,5 bis 4 Kilogramm. Innerhalb dieses Rahmens entwickelt die Schaukäserei charaktervolle Spezialitäten, die nicht auf rohe Wucht, sondern auf saubere Textur, deutliche Würze und hohe Alltagstauglichkeit zielen. Historisch steht dahinter eine interessante Bewegung: Seit den frühen 2000er Jahren entstanden im Allgäu mehrere Bio-Käsereien, die die traditionelle Dorf- und Sennereikultur nicht nur bewahren, sondern durch neue Rezepturen mit Kräutern, Rotkultur, Wein, Bier oder Blüten weiterentwickeln. Diese Sorte gehört genau in diesen Zusammenhang. Sie ist kein historischer Museumslaib, sondern ein junger regionaler Käse, der dennoch ganz aus dem Allgäu heraus gedacht ist. Die Milch kommt aus derselben Landschaft, die Pflege geschieht vor Ort, und auch die Vermarktung setzt stark auf die Geschichte kleiner Höfe, kurzer Wege und sichtbarer Handarbeit. Die heutige Bedeutung des Käses liegt deshalb nicht nur im Geschmack, sondern im Modell dahinter: regionale Heumilch, nachvollziehbare Erzeugung, handwerkliche Reifung und eine Sorte, die sich an Käsetheke, Brotzeitbrett und moderner Alltagsküche gleichermaßen einsetzen lässt. Gerade dadurch ist diese Käselinie für viele Verbraucher zum Einstieg in die Allgäuer Bio-Käsewelt geworden. Beim Roten Casanova wird die Rolle des Rahms besonders sichtbar. Produktquellen beschreiben ihn als halbfesten Schnittkäse aus Heumilch mit zusätzlichem Allgäuer Rahm und rotgeschmierter Rinde. Diese Konstruktion macht ihn zu einem bewusst sinnlichen Thekenkäse: allgäuerische Milchbasis, cremiger Ausbau und eine äußere Pflege, die Würze gibt, ohne den Schmelz zu zerstören. Gerade dadurch steht er beispielhaft für die moderne Spezialitätenkultur der Bio-Schaukäserei. Der Erfolg solcher Sorten erklärt sich nicht zuletzt aus der Vermittlungsarbeit des Betriebs. Als Schaukäserei macht Wiggensbach die Käseherstellung sichtbar, was für das Verständnis moderner Regionalprodukte wichtig ist. Besucher sehen nicht nur den fertigen Laib, sondern auch den Zusammenhang aus Bauernhof, Milch, Kessel, Keller und Laden. Gerade dadurch bekommen diese Käse eine kulturelle Dichte, die weit über den bloßen Geschmack hinausgeht. Sie stehen für ein Allgäu, das nicht nur Herkunft behauptet, sondern Herstellungszusammenhänge offenlegt. Im besten Fall schmeckt man genau das: Transparenz, Ruhe und eine bewusst gepflegte Form von Regionalität.
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